Befremdungskultur

Quelle: gedankenwelt.de

Die Begegnung mit Menschen aus anderen Weltgegenden kann unser Gemeinschaftsgefühl auf eine harte Probe stellen. Es ist so banal wie herausfordernd: Wir stellen fest, dass der Fremde uns in vielem wirklich fremd ist, zuweilen Angst hervorruft.

"Angst ist ein Killervirus des Gemeinschaftsgefühls" sagt Monika Huff-Müller im Interview. Die Psychoanalytikerin hat bei der jüngsten Jahrestagung der "Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse" in Berlin über Fremdheitstoleranz gesprochen. Begegnungen mit Menschen, die andere kulturelle Gepflgenheiten üben als wir, können nach anfänglicher Zuwendung und Unterstützung leicht in Ablehnung umschlagen. Man ist befremdet.

Huff-Müller spricht daher von der Notwendigkeit einer Befremdungskultr im Gegensatz zur Willkommenskultur. "Der andere stellt jeden von uns durch sein Anderssein infrage" und es gehe darum, sich dieser Widersprüchlichkeit zu stellen und Differenzen nicht unter den Tisch zu kehren. Huff-Müller: "Es gilt auszuhalten, dass meine Sicht der Welt nicht geteilt wird, und sie trotzdem nicht aufzugeben."

In der soeben gestarteten Ringvorlesung an der Technischen Universität in Berlin zum Thema "Psychosoziale Aspekte von Migration und Integration" wird Monika Huff-Müller am 8. Februar 2017 das Thema erneut aufgreifen. Sie beschreibt, "inwiefern die psychoanalytische Methodik sowohl um den Aspekt der kulturellen Empathie als auch um den Aspekt der kulturellen Differenzierung ergänzt werden sollte. Wie müssen wir Psychoanalytiker Menschen, Institutionen und unsere Gesellschaft ausstatten, um diese Prozesse zu unterstützen?". (US)

 

zum Interview hier

der Hör-Tipp zum Lese-Tipp:

Dipl.-Psych. Monika Huff-Müller
Fremdheitstoleranz und Ambivalenzfähigkeit als psychoanalytische Entwicklungsaufgabe
8. Februar 2017, 20.15 Uhr bis 22.00 Uhr
Freie Universität Berlin
Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin
(Rostlaube), Hörsaal HS2

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