Die Zerreißprobe

Alle reden davon, wie Flüchtlinge, Einwanderer sich integrieren können – Lamya Kaddor dreht die Frage um: Muss sich nicht auch die Mehrheitsgesellschaft ändern? Geht es nicht für alle darum, liberale Grundsätze zu leben? Mit Sorge beobachtet Kaddor, dass die Angst vor den Flüchtlingen, dem Islam, die Demokratie in Deutschland schwächt; dass sich Denkweisen etablieren, für die die Beschränkung der Freiheit zugunsten einer angeblichen Sicherheit legitim ist.

Wer hinnimmt, dass Nordafrikanern der Zutritt zu Schwimmbädern verwehrt wird, läuft Gefahr, bald auch über die Beschränkung ganz anderer, fundamentaler Rechte sprechen zu müssen. Umgekehrt gilt, dass keine Ideologie, keine Weltanschauung über unserem Grundgesetz stehen darf: Auch hier droht der Demokratie in Deutschland Gefahr.

Die «Verfassungspatriotin» Lamya Kaddor ist Tag für Tag mit der Integrationswirklichkeit konfrontiert; sie sieht, welche Probleme, aber auch Chancen auf die deutsche Gesellschaft zukommen. Eines ist für sie klar: Wir brauchen ein neues deutsches Wir. Und wir müssen uns mehr über Identität und Integration unterhalten, weniger über Religion. Dieses Buch ist ein streitbarer, ganz persönlicher Bericht – ein Blick auf die Gesellschaft von einer Deutschen mit syrischen Wurzeln.

Lamya Kaddor
Die Zerreißprobe
Wie die Angst vor dem Fremden unsere Demokratie bedroht
Berlin (Rowolth), Oktober 2016, 239 Seiten

 

Leseprobe hier

 

Die Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor, 1978 als Tochter syrischer Einwanderer in Ahlen/Westfalen geboren, ist Gründungsvorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes. Ihr Band "Zum Töten bereit – Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen" wurde von der Friedrich-Ebert-Stiftung 2016 als «Das politische Buch des Jahres» ausgezeichnet. 2010 erhielt sie den European Muslim Woman of Influence Award, 2016 den Integrationspreis der Stiftung Apfelbaum.

 

Nachtrag: Nach der Veröffentlichung ihres Buches hat Lamya Kaddor nach Presseberichten zahllose Hass-Mails und Morddrohungen erhalten, so dass die Lehrerin aus Sicherheitsgründen um eine Beurlaubung vom Schuldienst nachgesucht hat. Vorwürfe erhebt sie auch gegen den Publizisten Henryk M. Broder, auf dessen Auslassungen sich offenbar viele Schreiber beziehen. Broder hatte kürzlich Kaddor als "genuin dumm" bezeichnet.

 

 

Lesung und Podiumsdiskussion mit der Autorin Lamya Kaddor im Jüdischen Museum, Berlin,
am 16. Februar 2017:

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