Abschied von der Nation

Nach dem Einzug von 92 Nationalisten in den Deutschen Bundestag erscheint der Beitrag von Adania Shibli ungeahnt aktuell. Die Kulturwissenschaftlerin geht der Frage nach, warum die Idee der Nation "aus dem 18. Jahrhundert für heutige Gesellschaften nichts mehr taugt".

Leseprobe: "Dass sich viele Europäer radikalen religiösen Bewegungen oder der extremen Rechten anschließen, ist ein Ergebnis des Unvermögens, sich eine Gemeinschaft vorzustellen, in der jeder Einzelne als integraler Teil akzeptiert wird, anstatt einer Mehrheit oder Minderheit anzugehören.

Das Modell des Nationalismus kann das nicht mehr leisten. Es verschärft gesellschaftliche Konflikte, gibt dem Extremismus in ganz Europa Auftrieb und fördert die Ansicht, bestimmte Unterschiede stellten eine unüberbrückbare Kluft dar, so dass die Lebenweise „von denen“ nicht nur abgelehnt, sondern ausgemerzt werden müsse."

Der Text erschien im vergangenen Jahr in der vom Institut für Auslandsbeziehungen herausgegebenen Zeitschrift "Kulturaustausch". Adania Shibli, die auch als Romanautorin und Essayistin hervorgetreten ist, ist seit 2013 Gastprofessorin an der palästinensischen Birzeit Universität.

Adania Shibli, Abschied von der Nation
in KULTURAUSTAUSCH - Zeitschrift für internationale Perspektiven
Ausgabe II/2016

Zurück