Unzertrennlich: Rationalität und Gefühl

Gäbe es ein Messgerät für die Intensität kollektiver Gefühle, es würde derzeit Spitzenwerte anzeigen: In den politischen Debatten sind vielerorts Wut, Hass und Angst an die Stelle rationaler Argumente und gegenseitiger Rücksichtnahme getreten.

Uffa Jensen verfolgt die Ursprünge der Zornpolitik bis ins 19. Jahrhundert zurück und erläutert, wie solche Gefühle der Ablehnung funktionieren. Dabei wird deutlich, dass Emotionen gerade in Auseinandersetzungen über gesellschaftliche Andere wie Flüchtlinge, Muslime oder Juden hochkochen und bewusst instrumentalisiert werden.

Aus den historischen Zusammenhängen zwischen Vorurteilen und Gefühlen leitet Jensen Strategien ab, mit denen wir der aktuellen Welle des politischen Furors begegnen können. (Verlag)

„Zornpolitik“, führt Jensen in seinem Buch aus, „erschöpft sich keineswegs im strategischen Einsatz von Gefühlen gegen Andere. Die grundlegendere Schwierigkeit betrifft die Bedeutung von Gefühlen in der Politik insgesamt: Mit welchen Gefühlen betreiben wir Politik? Wie reagieren wir wann emotional auf Politik?“

Uffa Jensen, Zornpolitik, Berlin (edition suhrkamp) 2017, 208 Seiten

 

Leseprobe

Quelle: TU Berlin

Der Historiker Uffa Jensen, Jahrgang 1969, war von 2010 bis 2017 am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung im Forschungsbereich „Geschichte der Gefühle“ tätig. Im Herbst 2017 trat er „als einer der profundesten Kenner sowohl des modernen Antisemitismus als auch der Emotionsgeschichte“ (TU Berlin) eine Professur am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin an.

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