Zerstörte Ursprungsmythen

Erst nehmen sie den Afrikanern die Gewissheit, an der Wiege der Menschheit zu leben, dann kommt es noch dicker, diesmal  für die Europäer: Mit der genetischen Reinheit von Unsereins ist es wohl auch nicht sonderlich weit her. Die Nachfahren der Germanen sind das Ergebnis verschiedener Wanderbewegungen; wie jüngst - vor 15000 Jahren - aus dem Nahen Osten.

Ein Forscherteam aus Tübingen will herausgefunden haben, dass die Entwicklungslinie des moderne Menschen viel früher begonnen hat als bislang angenommen. Neu untersuchte Funde aus Griechenland scheinen zu bestätigen, dass die Wiege der Menschheit doch nicht in Afrika, sondern ganz in unserer Nähe liegt. Das wird nun beispielsweise für die Identitären kein rechter Trost sein, für die das Reinheitsgebot über alles geht, zumindest bei menschlichen Beziehungen über die kulturellen Grenzen hinweg. Denn jüngst haben neuere Forschungen herausgefunden, dass die Europäer nichts weiter als das Produkt mehrerer Wanderbewegungen ehedem weit entfernter Bevölkerungsgruppen sind.

In einem Beitrag der Zeitschrift Science fasst die Wissenschaftsjournalistin Ann Gibbons jüngere Forschungen zusammen und kommt zu dem Ergebnis: "In der Tat haben die Deutschen kein gemeinsames genetischen Erbe zu schützen. Sie sind, wie alle anderen Europäer, bereits ein Mischmasch, Abkömmlinge wiederholter Wanderbewegungen." Neue Forschungsmethoden wie DNA-Bestimmung und Isotopenuntersuchung gaben Aufschluss darüber. Die von den Identitären verfolgte Ideologie des Ethnopluralismus erweist sich als das, was sie immer schon war: völkischer Irrwitz im Gewand des Rassismus ohne Rassen.

 

Ann Gibbons
Busting myths of origin
Science  19 May 2017:
Vol. 356, Issue 6339, pp. 678-681


Um den Beitrag zu lesen, sollte man sich hier anmelden

 

siehe auch: "Der deutsche Ursprung liegt im Fremden"

Zurück