Blickwechsel: My Dream in a Box

Einmal einen anderen Blick auf die Dinge und die eigene Wirklichkeit zu werfen, war das Ziel eines fünftägigen Projekts der Freien Oberschule Baruth. Zu Gast war der Berliner Galerist Dawit Shanko, dessen Projektidee mit dem Titel "My Dream in a Box" aus seiner eigenen Lebenserfahrung schöpfte.

13 Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Klasse hatten in den letzten Junitagen Gelegenheit, in den Alltag äthiopischer Schuhputzer eintauchen zu können. Der Hintergrund:  Der aus Äthiopien stammende Architekt Dawit Shanko hatte sich als angehender Jugendlicher in den Straßen seiner Heimatstadt Addis Abeba ebenfalls als Schuhputzer seinen Lebensunterhalt verdient, um zur Schule gehen zu können. Bis heute ist er den Listros - Amharisch für Schuhputzer - verbunden geblieben, obwohl er seit über 30 Jahren in Deutschland lebt.

Das fünftägige Seminar startete mit der Filmreportage "Listros" von Oliver Mojen/Deutsche Welle über den Alltag junger Menschen in Äthiopien. Der Film und die nachfolgende Debatte gaben eine Reihe Anregungen, das eigene Leben mit dem der Schuhputzer zu vergleichen, die offensichtlichen Unterschiede zu benennen und zu überlegen, welche Alltagserfahrung der jungen Äthiopier womöglich als Ratschlag dienen könnte.

Sich gegenseitig die Schuhe zu putzen, war für die Teilnehmer "ein komisches aber gutes Gefühl", wie eine Schülerin schrieb: "Du fühlst dich mächtiger, wenn eine Person vor dir kniet und deine Schuhe putzt." Perspektivwechsel hautnah.

 

Der Einstiegsphase folgte ein praktischer Teil: Nach einer Bauanleitung in englischer Sprache bauten die Teilnehmer in Gruppen oder individuell eine Schuhputz-Box, die allerdings mehr versinnbildlichen sollte, als ein schlichter Werkzeugkasten zu sein. In der Traumbox sammelten sie Wunschvorstellungen, Anforderungen ans Leben und bauten die Boxen nach individuellen Gestaltungsideen aus.

Der letzte Tag war der öffentlichen Präsentation der Boxen gewidmet, bei der die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit hatten, ihre Ideen und das Motto ihrer Boxen zu erläutern. Zum Abschluss gab es für alle Beteiligten und Gäste Injera, ein pfannkuchenähnliches Brot der äthiopischen Küche mit verschiedenen Gemüsesorten.

 

Das Projekt, das von Partnerschaft für Demokratie Teltow-Fläming im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" gefördert wurde, sollte im nächsten Jahr wiederholt werden, meinten die Teilnehmer rückblickend auf die fünf Seminartage.

Vor fünf Jahren hatte Dawit Shanko in Berlin den gemeinnützigen Verein "Listros" gegründet, um Kinder und Jugendliche in Äthiopien zu unterstützen, Eigeninitiative zu stärken und zu künstlerischem Schaffen zu motivieren. Zunächst hatte der Verein unter mehreren tausend Listros eine Umfrage gemacht, sie nach ihren Sorgen und Bedürfnissen gefragt. Dabei stellte sich heraus, dass vor allem mangelnder Respekt der Kundschaft den Schuhputzern zu schaffen macht, aber auch die Arbeitsbedingungen unter ständig sengender Sonne.

Das brachte den Verein Listros auf die Idee, mit Fachleuten aus Deutschland kleine Unterstände zu entwickeln, die den Jungen Schutz vor Sonne und Regen boten. Inzwischen gibt es in Addis Abeba zahlreiche dieser Stände und die Listros haben längst weitere Geschäftsideen entwickelt, verkaufen hier Obst und Gemüse oder gebrauchte Bücher.

Dawit Shanko ist Eigentümer der Galerie LISTROS in Berlin. Die Wände der Eingangshalle sind mit etwa 2500 hölzernen Schuhputzboxen verkleidet. 2010 kamen sie direkt von den Listros. In jeder Box steckte ein Brief, in dem die Jungen aufgeschrieben hatten, was sie sich von ihren Mitmenschen wünschen. Respekt und der Zuspruch von Mut standen ganz oben auf den Wunschlisten. Mit diesem Projekt „Briefe an die Welt“ schuf Shanko eine Plattform für die äthiopischen Jugendlichen, um ihren Hoffnungen Gehör zu verschaffen.

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