Antisemitismus 2.0

Im Internet - in den Sozialen Medien wie auch den Online-Kommentaren von Qualitätsmedien - haben judenfeindliche Äußerungen in den vergangenen zehn Jahren enorm zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die jetzt veröffentlichte Langzeitstudie der Technischen Universität Berlin „Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses“.

Waren zu Beginn der Untersuchung im Jahr 2007 in vielen Medien, beispielsweise in „Zeit“, „Welt“, „taz“ oder „Süddeutscher Zeitung“, noch 7,5 Prozent aller Leserkommentare auf die eine oder andere Weise antisemitisch, so stieg ihr Anteil unterdessen auf 30 Prozent.

Durchgeführt wurde die Studie von der Sprachwissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel, die das Fachgebiet Allgemeine Linguistik an der TU leitet. Mit ihrem Team hat sie 300.000 Texte aus den Jahren 2007 bis 2017  durchforstet.

Das Vordringen judenfeindlicher Verschwörungsphantasien und Antisemitismen, so das Fazit, zeige sich auch bei Twitter und Facebook, in Blogs und Recherche- sowie Ratgeberportalen, unter Youtube-Videos, in Fan-Foren und eben in Online-Kommentarspalten von Medien. Außerdem habe man festgestellt, dass immer noch stereotype Argumentationsmuster nach alten Vorstellungen vom „Ewigen Juden“ zum Tragen kommen. Hinzu kämen israelbezogene Feindbilder:

„Der israelbezogene Judenhass“, so die Autorin, „ist dabei tendenziell auf dem Weg, ein ‚politisch korrekter Antisemitismus‘ zu werden, da ihm in Zivilgesellschaft, Politik und Justiz der geringste Widerstand entgegengesetzt wird. Da dieser Hass nachweislich auf den Stereotypen der klassischen Judenfeindschaft basiert, besteht allgemein die Gefahr einer weiteren Verbreitung und Normalisierung von Antisemitismus.“

Kurzfassung der Studie (12 Seiten)

Langfassung der Studie (72 Seiten)

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