Auf Eis gelegt – Corona behindert Demokratieprojekte

Zahlreiche Demokratieprojekte, die bei der Koordinierungsstelle der Partnerschaft für Demokratie (PfD) Teltow-Fläming beantragt wurden, sind abgesagt oder zeitlich verschoben worden. Die Einschränkungen, die die Ausbreitung der Corona-Pandemie eindämmen sollen, beeinträchtigen vor allem solche Projekte, die sich an ein größeres Publikum richten oder an denen größere Gruppen beteiligt sind.

PfD-Koordinatorin Annette Braemer-Wittke hat die Erfahrung gemacht, dass manche Antragsteller sich darum bemühen, für ihre Projekte Alternativen zu entwickeln, die auch von der Koordinationsstelle empfohlen und gefordert werden.  Dadurch habe die Digitalisierung einen beachtlichen Schub erhalten. Doch nicht immer ist es derzeit möglich, die vorübergehenden Corona-Hürden zu überwinden.

Die Koordinierungsstelle in Luckenwalde hat sich soeben an Projektinteressierte und Antragsteller gewandt um herauszufinden, welche  Vorhaben sich womöglich modifizieren und beispielsweise ins Netz verlagern lassen, um den Behördenauflagen in Sachen Corona nachzukommen. Überhaupt hätten Projektvorschläge, die die neuen Medien einschließen und Online-Angebote enthielten, gute Aussichten auf eine Bewilligung durch die Partnerschaft für Demokratie, sagt Koordinatorin Braemer-Wittke.

Die PfD Teltow-Fläming selbst bereitet derzeit ein Webinar zum Thema Verschwörungsmythen vor, das gemeinsam mit dem Jugendforum Teltow-Fläming und dem Mobilen Beratungsteam in Trebbin erarbeitet wird. In Teltow-Fläming wie anderswo sind Großveranstaltungen derzeit noch nicht wieder gestattet – möglicherweise wird das Verbot auch nicht vor Jahresende aufgehoben. Braemer-Wittke hofft dennoch, dass die geplante Demokratiekonferenz in Zossen unter dem Titel „Zossen – Zukunft – Ziele“ stattfinden kann. Die Veranstaltung mit Beteiligung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ ist für Oktober dieses Jahres vorgesehen.

Bei einer Videokonferenz dieser Tage, zu der sich weit über hundert Partnerschaften für Demokratie angemeldet hatten, stellte sich heraus, dass die Corona-Beschränkungen immense Einschnitte für die Arbeit der Koordinierungsstellen mit sich gebracht haben. Beklagt wurde von zahlreichen Teilnehmern, dass die Zusammenarbeit mit den kommunalen Verwaltungen in dieser Zeit wesentlich schwieriger geworden sei – nicht zuletzt dadurch, dass Behördenmitarbeiter im Heimbüro häufig nicht erreichbar seien.

Einen offenbar ganz anderen Effekt hat die Arbeit zu Hause vielen Mitarbeitern der Koordinierungsstellen gebracht. So berichtet das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) in Frankfurt/Main, dass der Austausch der Partnerschaften untereinander gewachsen und intensiver geworden sei. Das ISS, das die Arbeit der Partnerschaften für Demokratie im Auftrag von „Demokratie leben!“ wissenschaftlich begleitet, hatte in der zweiten Aprilhälfte 125 Koordinierungs- und Fachstellen befragt. Dabei bezeichneten viele Mitarbeiter den fehlenden direkten Kontakt zu Akteuren und Ehrenamtlichen als besondere Erschwernis.

Zudem stellte sich heraus, dass die Nutzung digitaler Medien und Angebote längst nicht für alle Partnerschaften eine Option ist. Vielfach scheitert ein Vorhaben in manchen ländlichen Gebieten bereits an einer mangelhaften Netzanbindung, andere fühlten sich im Umgang mit neuen Medien noch überfordert.

Dass in der Tat gute Ideen längst nicht nur online zu verwirklichen sind, zeigt das Beispiel einer Partnerschaft für Demokratie: Sie unterstützte Freiwillige bei der Herstellung von Mund-Nasenmasken, die den regionalen Einzelhändlern übergeben wurden. In den Geschäften lagen als Gegenleistung Informationsmaterialien zum Bundesprogramm „Demokratie leben!“ aus.

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