Bis heute ungeklärt

rbb/Anja Kabisch
Zwangsadoptionen in der DDR

Über das Schicksal in der DDR geschiedener Frauen hatte kürzlich eine Ausstellung im Luckenwalder Kreishaus aufmerksam gemacht. Noch ist auch ein anderes Kapitel DDR-Geschichte ungelöst: Zwangsadoptionen.

Seit Anfang April 2018 liegt eines der vielleicht letzten großen Unrechts-Kapitel aus DDR-Zeiten in den Händen des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestags. Damit hat die Interessengemeinschaft „Gestohlene Kinder der DDR“ erneut darauf aufmerksam gemacht - in der Hoffnung, rund 30 Jahre nach der deutschen Einheit endlich Aufklärung über das Thema Zwangsadoptionen zu erhalten. „Kinder von Eltern aus rein politischen Gründen zu trennen, ist eine der größten Tragödien für die betroffenen Familien“, sagte Marian Wendt (CDU), Vorsitzender des Petitionsausschusses, bei der Übergabe der Forderungsliste.

Die in Leipzig ansässige Interessengemeinschaft vermutet, dass es 300 bis 400 Fälle gibt, in denen auf Regierungsdruck Kinder ihren leiblichen Eltern weggenommen wurden. Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln, da bis heute keine offiziellen Informationen darüber bekannt gemacht wurden. Der Verein „Hilfe für Opfer von DDR-Zwangsadoptionen“ hält es sogar für möglich, dass mehrere tausend Familien davon betroffen sind. „Offiziell bestritt die DDR immer die Existenz von Zwangsadoptionen“, berichtete kürzlich Anne Drescher, stellvertretende Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern.

Das Menschenrechtszentrum Cottbus, das seit über drei Jahren eine Sonderausstellung zum Thema zeigt, hat darauf aufmerksam gemacht, dass es versäumt wurde, politisch motivierte Kindesentziehungen im Einigungsvertrag als Unrecht darzustellen. Immerhin sei 2017 eine Pilotstudie über Zusammenhänge und Strukturen dieses Zwangssystems in Auftrag gegeben worden. Demnach waren vor allem Eltern betroffen, die unter dem Verdacht standen, die öffentliche Ordnung durch angeblich asoziales Verhalten zu gefährden, die versucht hätten, aus der DDR zu fliehen oder sich durch politische Delikte strafbar gemacht hätten. Die betroffenen Kinder seien politisch genehmen Elternhäusern übergeben worden.

Um Einzelschicksale endlich aufzuklären, empfiehlt das Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF), das die Pilotstudie angefertigt hat, das Thema Zwangsadoptionen einem Forschungsteam aus Historikern, Juristen und Soziologen zu übergeben.

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