Das Kreuz mit der Toleranz

Zwei empfehlenswerte Gespräche über ein altes Thema. Der Politikwissenschaftler Rainer Forst lotet das Wesen der Toleranz aus und stellt heraus, dass Toleranz nicht grenzenlos sein kann. Sergey Lagodinsky weiß, dass neben Spätaussiedlern auch jüdische Zuwanderer aus Russland eine Neigung zu nationalpopulistischen Parolen haben.

 

Er rät zu Gelassenheit, macht aber auch klar, dass gegenüber intoleranten Verhaltensweisen eine klare Haltung nicht ausbleiben darf.

 

 

Über das Ertragen

"Wer sich zur Toleranz aufrafft, der hat immer einen kleinen Schmerz zu verwinden", meint der Toleranzforscher Rainer Forst. Denn Toleranz kostet Kraft. Die Überzeugungen oder Handlungen anderer zu ertragen, die eigentlich missfallen, ruft nach mehr als Indifferenz oder Gleichgültigkeit.

 

Doch die Tugend der Toleranz kann nicht grenzenlos sein, etwa da, "wo anderen der grundsätzliche Respekt als gleichberechtigte Person abgesprochen wird". Über diesen Zwiespalt spricht Rainer Forst mit Katja Weber vom Deutschlandfunk.

Hören
Lesen

 

 

Am Tisch mit Sergey Lagodinsky

"Der jüdischen Minderheit ging es in einem Land immer dann gut, wenn die liberalen Rechte hochgehalten wurden", sagt Sergey Lagodinsky, aus Russland stammender Rechtsanwalt. Heute erlebt er mit, wie nicht nur russlanddeutsche Spätaussiedler, sondern auch jüdische Kontingentflüchtlinge aus Russland sich von national-populistischen Parolen angesprochen fühlen.

Lagodinsky hält wenig von Schlagzeilen wie "Die Russen sind die besseren Deutschen". Er plädiert für Gelassenheit gegenüber den russischsprachigen Deutschen, aber auch für eine sehr klare Haltung gegenüber intoleranten Verhaltensweisen. Die deutsch-jüdische Aussöhnung muss seiner Meinung nach um eine deutsch-jüdisch-russische ergänzt werden. (HR)

 

Hören

Zurück