Deutsche aus Russland: Postsowjetische Migration in die Bundesrepublik

Die Geschichte der Migration der Deutschen aus Russland ist tief in der sowjetischen und deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts verwurzelt, schreibt der Sozialwissenschaftler Jannis Panagiotidis in seinem soeben erschienenen Buch „Postsowjetische Migration in Deutschland“. Nicht nur deshalb unterscheiden sie sich von Zuwanderern aus anderen Teilen der Welt. Auch ihre Aufnahme und ihr Aufenthaltsstatus in der Bundesrepublik unterliegt anderen rechtlichen Regelungen.

Postsowjetische Migranten sind die größte Zuwanderergruppe in Deutschland. Im Jahr 2018 lebten hier fast 3,5 Millionen Menschen, die noch selbst oder ihre Eltern und Großeltern in der ehemaligen Sowjetunion geboren wurden. Zu ihnen zählen überwiegend  (Spät-)Aussiedler und jüdische Kontingentflüchtlinge.

So unterschiedlich die beiden Zuwanderergruppen tatsächlich sind, so undifferenziert werden sie häufig schlicht als „die Russen“ wahrgenommen. Andererseits gelten viele Russlanddeutsche als „zu deutsch“, weil sie sich auf idealisierte deutsche Werte oder Traditionen berufen, die heute keine Bedeutung (mehr) haben.

Für manche jüdischen Gemeinden wiederum, die sich von den Kontingentflüchtlingen eine zahlenmäßige Bereicherung erhofft haben, gelten sie als nicht „jüdisch genug“. Welche Rolle also spielen die postsowjetischen Migranten in Deutschland? Wo verorten sie sich selbst und wie verläuft bislang ihre Integration? Genau darauf gibt Jannis Panagiotidis mit seiner Arbeit, die er zurückhaltend bescheiden „Eine Einführung“ nennt, sehr differenzierte Antworten.

Jannis Panagiotidis
Postsowjetische Migration in Deutschland
Eine Einführung. Mit einem Vorwort von Sergey Lagodinsky
246 Seiten - ISBN:978-3-7799-3913-9


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Jannis Panagiotidis: Postsowjetische Migranten fehlen oftmals im Migrationsdiskurs

Aufgewachsen in einem sozialistischen System, Auswanderung und Neuanfang – solche und viele andere Erfahrungen einen Aussiedler aus postsozialistischen Staaten, die heute in Deutschland leben. Beim Podcast „Steppenkinder“ geht es den Machern Ira Peter und Edwin Warkentin umThemen wie Identität, Erinnerungskultur, Migrations- oder Integrationserfahrung.

Ira Peter ist Medien- und Kulturschaffende, Edwin Warkentin Kulturreferent für Russlanddeutsche. Sie gehören zur „mitgebrachten Generation“ der Russlanddeutschen, die im Kindes- und Jugendalter mit ihren Familien aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland einwanderten. Alle zwei Wochen gibt es eine neue Folge ihres Podcasts "Steppenkinder" - ein Projekt des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold.

Sie kamen  in den 1990er Jahren nach Deutschland: Frieda Fried, Valerian Franz und Alexandra Frank. Drei Generationen, drei Wege, drei Reiserouten in eine Zukunft, die mehr Sicherheit, bessere Zeiten und manchem eine Heimat versprach. Eine interaktive Karte.

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