Flüchtlingshilfe Jüterbog: Die Krise schafft Verbundenheit

Jetzt können sie sich beim Reden nicht mehr in die Augen schauen, bedauert Mechthild Falk. Bislang hätten sich die rund 15 ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer und –helferinnen in Jüterbog regelmäßig zusammengesetzt, über ihre Arbeit diskutiert und Pläne geschmiedet.

Der Ausbruch des Corona-Virus hat die Beratungstreffen vorerst unmöglich gemacht – keineswegs aber den Austausch. Der läuft jetzt im Wesentlichen über Telefon und Internet, berichtet die Sprecherin der Flüchtlingshilfe Jüterbog und Pfarrerin im Ruhestand.

„Ich erlebe, dass die Verbundenheit, die wir in unserer gemeinsamen Arbeit entwickelt haben, jetzt trägt. Und zwar jeden Einzelnen in seinem Alleinsein bei sich zu Hause.“ Ihre Verbundenheit hat einen Namen: „Gemeinsam was erleben“ heißt die WhatsApp-Gruppe, in der sich Ehrenamtliche und Geflüchtete austauschen.

Vor allem würden jetzt Informationen über den Umgang mit dem Virus weitergereicht und, wann immer das möglich ist, in andere Sprachen übersetzt. Dazu gehöre auch der Hinweis, jetzt gerade auf das verzichten zu müssen, „was wir in den Flüchtlingsfamilien so wunderbar bisher erleben konnten: diese Gemeinschaft, dieses Zusammenkommen, diese Familienfeste“.

Nun werden die Familienfeste wohl in kleinstem Familienrahmen begangen und über die sozialen Medien mit Verwandten und Freunden in aller Welt geteilt.

Durch den ständigen Kontakt in der WhatsApp-Gruppe sei ihr aufgefallen, so Mechthild Falk, dass viele Flüchtlinge gerade in der jetzigen Situation eine besondere Stärke bewiesen. „Bislang waren wir die Lotsen der Geflüchteten, jetzt sind wir von dieser wirklich schweren Krise gemeinsam betroffen. Sie sind jetzt nicht mehr diejenigen, die Hilfe suchen, sie können jetzt auch Hilfe geben. Weil sie selbst schon diese Situation durchlebt haben, in denen sie nicht mehr wussten, wie es weitergeht, ob sie das überleben, ob sie eine Zukunft haben würden.“

Mechthild Falk: "Flüchtlinge können zu Helfenden werden"

So hat sich jetzt in Jüterbog eine kleine Gruppe junger Männer aus Syrien zusammengefunden, die über die Medien erfahren haben, wie schwierig und gefährlich die Situation für alte Menschen und Kranke ist. Für sie bieten sie zum Beispiel Einkaufshilfe an. Ihnen sei so viel Hilfe hier zuteil geworden, sagen sie, jetzt gebe es eine Gelegenheit, etwas zurückzugeben.

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