Kamera ab! Der Fluch von Hennickendorf

Ein ordentlicher Gruselfilm braucht keinen Millionen-Etat und auch keine Hundertschaft an Crew-Mitgliedern. Zwölf ideenreiche Kinder und eine Ortschaft mit ausreichend Grusel-Potenzial reichen vollauf: Schauplatz Hennickendorf. Zwölf Kinder aus der Gemeinde Nuthe-Urstromtal waren in der letzten Juliwoche ins örtliche Gemeinschaftshaus gekommen, um gemeinsam einen Film zu planen, zu drehen und schließlich der Öffentlichkeit zu präsentieren.

"Von der Idee bis zum fertigen Film" war der Titel des Workshops für die 10- bis 14-Jährigen. Die Idee war schnell gefunden. Bloß nichts mit Romantik, war die fast einhellige Meinung der jungen Filmschaffenden, als es um die Wahl der Filmgattung ging. Lieber was Gruseliges oder ein Krimi. Die Entscheidung fiel leicht, nachdem Projektleiter James Griffin, Medienpädagoge aus Berlin, sich davon überzeugt hatte, dass das eigentlich beschauliche Hennickendorf alles aufzubieten hat, was zu einem Gruselfilm gehört.

Da ist der finstere Glockenturm der Dorfkirche, wo ein geheimnisvoller Diamant abgelegt werden würde; das Verlies in der verfallenen Scheune, wo ein Mörder die Zeugen seiner Tat in Panik versetzt; die Eisenfesseln in der Decke des feuchten Kellerraums, aus denen sich eine Untote befreien muss; und schließlich der eisige Dorfteich, dem ein erlösender Geist entsteigt, um in letzter Minute den rettenden Diamanten auszuhändigen. Damit "der Fluch von Hennickendorf" nicht doch noch sein Opfer fordert. Also Gruselfilm!

Wenn nur zwölf Kinder für Schauspiel und Maske, für Kamera, Licht und Ton, für Klappe, Script und Continuity, für Plot und Plakat und viele andere Aufgaben am Filmset zuständig sind, bleiben Doppelbesetzungen nicht aus. Und so wuselten acht Mädchen und vier Jungen von früh bis spät unter der Leitung des Regisseurs, um nicht am letzten Tag das Publikum mit einem nur halbfertigen Film zu enttäuschen. Als am Ende der Geist den Dorfteich unversehrt verlassen hatte, war die letzte Klappe gefallen und die letzte Einstellung im Kasten. James Griffin, der nicht nur die gesamte Technik im Gepäck, sondern auch noch des nachts am Drehbuch gefeilt hatte, konnte aufatmen.

Überhaupt hatte James alle Fäden in der Hand, nur in der zweitwichtigsten Sache musste er zurückstehen: dem Catering. Kein nennenswerter Filmset, bei dem die Akteure nicht mit lukullischen Spezereien bei Laune gehalten werden, besonders wenn ein Teil der Dreharbeiten unter dem Regenschirm stattfinden muss. Gudrun Pezenburg, die Vorsitzende des Hennickendorfer Ortsvereins, hatte ein ausgeklügeltes Wochenmenü vorbereitet, das bei der Vorstellung zum Seminarstart ungeteilte Zustimmung fand. Hinzu kam lediglich noch auf Sonderwunsch des späteren Hauptdarstellers: warmer Milchreis mit Zucker und Zimt.

Am Freitagnachmittag war alles vorbereitet für die Premiere. Die Rohfassung des Films war fertig, Eltern, Angehörige und Interessenten aus Nuthe-Urstromtal waren eingeladen zur Vorführung. Beate Vogt vom Jugendbüro der Gemeinde Nuthe-Urstromtal, eröffnete das Programm, die Bürgermeisterin hatte sich eigens angesagt und sprach anerkennende Worte - und dann lief der Film. Die Kinder in der ersten Reihe waren angetan von ihrem Werk und davon, wie James die Szenen zusammengestellt und zur Wirkung gebracht hat. Und danach folgte noch der Film zum Film, das Making-of, worin noch einmal die markantesten Szenen der vergangenen fünf Tage festgehalten worden sind. (US)

Der Filmworkshop vom 24. bis 28. Juli 2017 war Teil des so genannten talentCAMPus, eines Bildungsprogramms für Kinder und Jugendliche zur Persönlichkeitsentwicklung und zu mehr Fertigkeiten in Sachen Medienkompetenz. Das Angebot der Volkshochschule Teltow-Fläming in Luckenwalde, gefördert im Rahmen des Programms "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" des Bundesbildungsministeriums, fand statt gemeinsam mit der Gemeinde Nuthe-Urstromtal und dem Potsdamer Verein für Medien und Bildung "Young Images e.V.".

 

Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtete

Das "Making of" der Filmwoche ist kurzzeitig hier zu sehen. Bitte geben Sie als Passwort ein: Hennickendorf

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