LesBi*Schwule T*our macht Station in Luckenwalde

Vier Wochen lang wird vor dem Kreishaus in Luckenwalde die Flagge der LSBTIQ*-Bewegung wehen und ein Zeichen für die Wertschätzung sexueller Vielfalt setzen.

Am 23. August hat der Landesverband AndersARTIG gemeinsam mit Landrätin Kornelia Wehlan und dem zweiten Kreistagsvorsitzenden Detlev von der Heide die Regenbogenflagge vor der Kreisverwaltung gehisst. AndersARTIG ist die Dachorganisation der LSBTIQ*-Organisationen und -initiativen in Brandenburg. Auf der diesjährigen LesBi*Schwule T*our ist die Kreisstadt die zweite Station. Ihr Motto: „Brandenburg bleibt bunt!“.

Wie wichtig es für sexuelle Minderheiten ist, in der Gesellschaft sichtbar zu sein, erläuterten die Tourmitglieder später an ihrem Infostand im Stadtzentrum.

Kornelia Wehlan hatte zuvor darauf hingewiesen, dass verbale Diskriminierung sexueller Minderheiten nicht selten in Gewalttätigkeit umschlägt. Auch wenn einerseits die Zahl der Gewaltverbrechen in Deutschland in den letzten Jahren abnahm, so mehrten sich andererseits Angriffe auf Schwule, Lesben und Transsexuelle. 2020 wurden in Deutschland 782 homophob motivierte Straftaten registriert – im Vergleich zu 2019 ist das ein Anstieg von 39 Prozent.

Landrätin Kornelia Wehlan (li.) und Brandenburgs Gleichstellungsbeauftragte Manuela Dörnenburg im Gespräch mit Lars Bergmann von AndersARTIG


Homophobe Äußerungen hören die Verbandsmitgieder auf ihrer Tour durch Brandenburg immer wieder, berichtete Teilnehmer Kay-Alexander Zepp: „Wir hatten Tage, da sind Anhänger einer bestimmten Partei um unseren Stand herum patrouilliert.“ Bei manchen Touren seien Rechtsradikale gar bedrohlich hinterhergereist, fügt AndersARTIG-Geschäftsführer Lars Bergmann hinzu. In diesem Jahr besucht die Tour mehrere Städte Teltow-Flämings - neben Luckenwalde stehen Trebbin, Jüterbog, Zossen und Ludwigsfelde auf dem Plan.

Auch in Luckenwalde gab es vereinzelt Passanten, die sich mit abfälligen Sprüchen hervortaten. Derartige Äußerungen können eine besondere Belastung für Jugendliche sein, meint Kay-Alexander Zepp. Hinzu kommen häufig fehlender sozialer Halt, das Gefühl, mit seinen Gedanken und Gefühlen allein zu sein und mangelnde Unterstützung durch das Elternhaus. Neben Mobbing in der Schule erfahren manche jungen Leute auch, dass sich die eigenen Eltern von ihnen distanzieren, sobald sie sich zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen.

Immer wieder kommt es vor, dass sich Jugendliche – „die größte und verletzlichste Gruppe im Coming-out“, meint Kay-Alexander Zepp – aus Verzweiflung das Leben nehmen: „Die Suizidrate bei homo- und transsexuellen Jugendlichen ist wesentlich höher im Vergleich zu anderen.“

Damit Jugendliche in Brandenburg eine Anlaufstelle haben, setzt sich der Landesverband AndersARTIG für Beratung und Aufklärung ein. Auch macht er jungen Leuten ein Angebot, in der LSBTIQ*-Community einen sicheren Platz zu finden. Dort kann man sich austauschen, Fragen stellen, die die Eltern nicht beantworten können, Gleichgesinnte und eventuell auch eine Beziehung finden. „Die Trefferquote ist auf jeden Fall dort höher“, sagt Zepp lachend, „man muss auch keinen Queertest bestehen, um dabei sein zu können, jeder ist willkommen.“

Angehörige, Bildungseinrichtungen oder Firmen suchen oft Rat bei AndersARTIG. Dabei gehe es häufig nicht darum, Fachwissen zu vermitteln, vielmehr sei Offenheit und Zuhören gefragt, meint Zepp. Er wünscht sich, dass ein Coming-out einmal völlig überflüssig sein würde, weil die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung überholt und geächtet sei. Zepp: „Unser Ziel ist es eigentlich, uns unnütz zu machen.“ (Antonia Engel/US)

LSBTIQ*: Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen-, Trans*- und Inter*-Bewegungen sowie queere Menschen
(siehe auch LSBTIQ-Lexikon)

Fotos: Annette Braemer-Wittke

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