„Lügenpresse“-Hysterie ebbt ab

Vertrauen in die Medien nimmt wieder zu

13 Prozent der Bundesbürger sind davon überzeugt, von den Medien systematisch belogen zu werden. Ein Jahr zuvor glaubten das noch fast 20 Prozent. Das haben erste Ergebnisse einer Langzeitstudie über Medienvertrauen ergeben, die derzeit am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) durchgeführt wird.
 
Zudem zeigten die im November und Dezember 2017 erhobenen repräsentativen Daten, dass 42 Prozent der Deutschen den etablierten Medien in wichtigen Fragen vertrauen. 17 Prozent äußerten dagegen grundsätzliches Misstrauen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehsender sowie die Tagespresse genießen gar das Vertrauen von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung, während fünf Prozent in diese Medien überhaupt kein Vertrauen haben.

Einen regelrechten Vertrauenssturz erlebt der Untersuchung zufolge das Internet. Nur noch zehn Prozent der Bürger halten Internet-Angebote im Allgemeinen für seriös – im Jahr 2016 waren es noch 24 Prozent. Für Nachrichten in den Sozialen Netzwerken fällt das Untersuchungsergebnis noch krasser aus: Nur zwei bis drei Prozent halten sie für vertrauenswürdig.

Ein Grund für den Vertrauensverlust des Internets und von Online-Nachrichtenangeboten liege in der anhaltenden Debatte über Fake News und Hasskommentare. Eine große Mehrheit der Deutschen (bis zu drei Viertel der Bevölkerung) sieht in ihnen eine große Gefahr für die Gesellschaft.

Trotz dieser insgesamt stabilen Vertrauensbasis sind die Forscher der Mainzer Universität bei 36 Prozent der Deutschen auf eine erhebliche Distanz zu etablierten Medien gestoßen. Damit gibt mehr als ein Drittel der Bevölkerung an, dass es die gesellschaftlichen Zustände in ihrem Umfeld ganz anders wahrnimmt, als sie von Medien dargestellt werden. Und 24 Prozent äußerten, dass die Themen, die ihnen wichtig sind, von den Medien nicht ernst genommen würden.

Außerdem habe sich in der Studie gezeigt, dass eine Kritik an etablierten Medien vor allem von Bürgern geäußert wird, die sehr wenig über die Arbeit von Journalisten wissen. Wer zum Beispiel fälschlicherweise glaubt, Journalisten müssten ihre Berichte vor der Publikation von Behörden prüfen lassen oder der Staat würde darüber entscheiden, wer in Deutschland Journalist werden dürfe (jeweils elf Prozent der Befragten), schenke den Medien kein Vertrauen. (Informationsdienst Wissenschaft – idw)
 
Zum Forschungsprojekt
Erste Befunde der Langzeitstudie

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