„Sein Schicksal ist uns Verpflichtung“ - Zum Tod von Noël Martin

Sein Schicksal wird mit der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow auf Dauer verbunden sein: Ein Vierteljahrhundert hat Noël Martin den rassistischen Angriff überlebt, der ihn seither zu einem schwerkranken Mann machte, für immer querschnittsgelähmt auf den Rollstuhl angewiesen. Am 14. Juli ist der aus Jamaika stammende britische Bürger in seiner Heimatstadt Birmingham gestorben, nur wenige Tage vor seinem 61. Geburtstag.

„Sein Schicksal ist uns Verpflichtung“, schreibt Ministerpräsident Dietmar Woidke in einem Nachruf und erinnert an den langjährigen Einsatz Noël  Martins gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, der ihn fünf Jahre nach dem Angriff auf sein Leben gar noch einmal nach Blankenfelde-Mahlow geführt hatte. In jenen Ort, der sich seinerzeit zunächst schwergetan hatte, die Verantwortlichen für die Tat zur Rechenschaft zu ziehen.

Mahnmal am Glasower Damm

Doch das änderte sich bald. Menschen aus Blankenfelde-Mahlow schlossen sich zum Verein „Bürger für Bürger“ zusammen, um das Geschehen vom 16. Juni 1996 in Erinnerung zu halten und für ein tolerantes Mahlow einzutreten mit dem Ziel, einen Ort der Vielfalt zu schaffen. Heute erinnert ein Mahnmal am Glasower Damm in Mahlow an die rassistische Tat der damals 17- und 24-jährigen Männer.

"Ich habe sehr viel eindrucksvolle Reden gehört und schöne Worte.
Und ich hoffe, dass wir die Worte auch tatsächlich umsetzen können.
Wenn all das, was hier gesagt worden ist, vor dem 16. Juni 1996
gesagt worden wäre, säße ich jetzt nicht hier im Rollstuhl."

Noël Martin bei seinem Besuch in Mahlow im Jahr 2001

Auf Noël Martin geht auch die Anregung zu einem Jugendaustausch zurück, der junge Leute aus Birmingham und der Region Teltow-Fläming zusammenbringen soll. Das Vorhaben mündete in die „Jacqueline-und Noël-Martin-Stiftung“, die seit über zehn Jahren die Begegnungsarbeit betreut. Die Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“ hat die Verwaltungsarbeit treuhänderisch übernommen und führt die Jugendarbeit im Sinne Noël Martins fort.

In seinem Buch „Nenn es: mein Leben“, das im Jahr 2007 erschien, berichtet Noël Martin auch über den Tatverlauf, der sein Leben für immer verändern sollte. Seine beiden Begleiter, die sich von den rassistischen Beschimpfungen durch die Neonazis angegriffen fühlten, riet er zu Besonnenheit: „Steigt ein. Wir ignorieren diese Scheißkerle?“

 

Reaktionen zum Tod von Noël Martin
Noël Martin – Ein Vorbild im Antirassismus-Kampf für Brandenburg und Deutschland
Integrationsbeauftragte Lemmermeier: Brandenburg ist es Noël Martin schuldig, die Erinnerung an die
                                                                       rassistische Tat wach zu halten
Woidke trauert um Noël Martin
Blankenfelde-Mahlow: Trauer um Noël Martin
Teltow-Fläming: Trauer um Noël Martin

 

Die Tat
Für ihre Reportagen über den Angriff auf Noël Martin und seine Begleiter, die Hintergründe und die Aufklärung des Falls hat die vor zwei Jahren verstorbene Autorin Barbara Bollwahn 1996 den renommierten Wächterpreis der deutschen Tagespresse erhalten. Ihre Recherchen hatten wesentlich zur Überführung der Täter beigetragen, zumal Polizei und Behörden die Ermittlungen offenbar mit wenig Eifer vorangetrieben hatten:
Dangerous zone am S-Bahnhof (17.07.1996)
Suche nach bekannten Unbekannten (18.07.1996)
"Ganz Mahlow steht als radikal da" (23.07.1996)
Mahlower Faschos festgenommen (26.07.1996)
Überfall aufgeklärt (27.07.1996)

Der Traum davonzureiten (16.06.1997)
Reue? Tja. Vielleicht. Im Prinzip (13.06.2000)

Chronologie der Ereignisse in Mahlow
Anstageslicht: Chronologie Noël Martin

 

Informationen zu Noël Martin

Zur Person
24 Jahre nach Anschlag in Mahlow - Neonazi-Opfer Noël Martin (60) gestorben
Gemeinde gedenkt Opfern rechter Gewalt
Das Leiden und Überleben des Noël Martin
Noël Martin 24 Jahre nach Neonazi-Attacke gestorben
Noël Martin „Nenn es: mein Leben“
Mahnmal Noël Martin
Noël- und Jacqueline-Martin-Stiftung

Zurück