Teltow-Fläming beim "Welcoming Communities Transatlantic Exchange" in den USA - Teil 3

 

Gemeinsam mit Vertretern aus anderen deutschen Städten und Gemeinden nimmt der Landkreis Teltow-Fläming derzeit am 3. transatlantischen Treffen der "Willkommensgemeinden" in den USA teil.

 

Die elftägige Reise der Integrationsfachleute gibt Gelegenheit, die praktische Seite der Migrations- und Flüchtlingspolitik der USA kennenzulernen.

 

Dazu sind Treffen mit offiziellen Stellen sowie mit zivilgesellschaftlichen Initiativen geplant.

 

Lesen Sie hier Einzelheiten über den Verlauf der Reise und die Erfahrungen der Experten aus Teltow-Fläming. Eine Einleitung zu dem Programm und den Organisatoren lesen Sie hier und hier

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1. Mai 2018

Ankunft in Boston

Von Washington nach Boston ist es nur ein kurzer Flug. Boston empfängt die Reisenden aus Deutschland kühl aber sonnig. Der erste Besuch gilt dem Westend Museum. Das Museum ist ein Beispiel für Probleme, die Integration auch schon vor vielen Jahren mit sich gebracht hat. Das Bostoner Westend war bis in die fünfziger Jahre ein lebendiger Stadtteil, voll mit Migranten aus bis zu zehn Nationen.

1958 wurde dann in Boston das Programm der sogenannten U-Bahn der Erneuerung ins Leben gerufen. Innerhalb von nicht einmal vier Jahren wurden wunderschöne Gebäude abgerissen, eine gewachsene  Community zerstört und tausende Anwohner vertrieben. Die Gruppe trifft auf drei sichtlich erregte ehemalige Einwohner. Die drei älteren Herren berichten von ihrer Jugend, von der verlorenen Heimat und von dem Umsiedlungsprogramm. Im Westend Museum wird die Geschichte des ehemaligen Stadtteils noch einmal sehr lebendig.

Die nächste Station ist nicht weniger spannend. In Chinatown trifft die Gruppe mit Vertretern der Organisation Chinatown Community zusammen. Die gemeinnützige Organisation unterstützt Einwanderer beim Spracherwerb, bei der Ansiedlung und bei der Einbürgerung. Bei einer Führung durch Chinatown  werden insbesondere die aktuellen Probleme der Wohnungssuche für neue Ansiedler deutlich.

Ankunft in Charlotte

Nach der Ankunft in Charlotte traf sich die Gruppe mit den Partnern, die die deutschen Teilnehmer in den kommenden Tagen begleiten werden. Die Planung der anstehenden Aktivitäten und Besuche fand im zentral gelegenen Restaurant "King's Kitchen" statt. Das gemeinnützig tätige Restaurant ("serving food und serving God") besteht seit 2010, wird von einer religiösen Wohlfahrtsorganisation unterstützt und beschäftigt vor allem ehemalige Strafgefangene - bietet zudem auch Flüchtlingen einen Arbeitsplatz - Menschen also, die auf dem regulären Arbeitsmarkt nur schwer ein Unterkommen finden. 50 Gästen bietet das Restaurant Platz.

Restaurant "King's Kitchen"

Am frühen Nachmittag fand ein Gespräch mit Vertretern der Stadtverwaltung statt. Federico Rios, der für Integrationsfragen zuständig ist, stellte einen Arbeitsplan vor, der Entwicklungsstrategien zur besseren Eingliederung von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt vorsieht. Darüber hinaus beinhaltet der Plan die Motivierung von Personen außerhalb der Verwaltung zum Engagement in der Flüchtlingsarbeit.

Dabei legt man in Charlotte großen Wert darauf, dass zugewanderte Neubürger möglichst schnell mit der englischen Sprache vertraut werden. Wer die Sprache beherrscht, so heißt es auch in der Verwaltung, trägt leichter zum Verständnis von unterschiedlichen Kulturen bei.

 

 

 

Das Charlotte-Mecklenburg Government Center beherbergt sowohl die Stadtverwaltung von Charlotte als auch die Kreisverwaltung. Charlotte liegt im Landkreis Mecklenburg, so benannt nach Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, die 1761 durch die Heirat mit König Georg III mit 17 Jahren Königin von Großbritannien und Irland wurde.

 

 

Ankunft in Montgomery County

Die Teilnehmer wurden nach ihrer Ankunft in Montgomery County von Landrat Isiah Leggett empfangen und offiziell begrüßt. Eine Fülle an Informationen machte deutlich, wie weitgehend die Verwaltungsarbeit auch in Bezug auf die Zuwanderung technisiert und strukturiert ist. Der Landkreis bietet beispielsweise unter einer Sammelnummer nicht nur alle Dienstleistungen und Antragsmöglichkeiten an, sondern erfasst die Anzahl der Anrufe, den Anlass und den Migrationshintergrund des Bürgers und steuert über diese Daten sprachliche und personelle Ressourcen der Abteilungen.

Anschließend nahm die Gruppe aktiv an einem Trainingsprogramm für Konfliktlotsen ("facilitators") mit 14-15jährigen Schülern einer High-School teil, bei dem vor allem kulturelle Diversität, Toleranz und konstruktiver Dialog eingeübt wurden. Tolle Jungs und Mädchen, alle mit unterschiedlichem Migrationshintergrund

Zum Abschluss besuchte die Gruppe eine prämierte Grundschule mit beispielhafter Zusammenarbeit von Lehrern, Schulsozialarbeitern und Schultherapeuten. Ein interessantes Konzept: Schule versteht sich hier offenbar nicht nur als Lehranstalt, sondern arbeitet mit den Herkunftseltern (Kurse für Eltern, Gemeinwesenarbeit) und bietet therapeutische Begleitung für Kinder und Familien mit posttraumatischen Belastungsstörungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch die lokale Presse zeigte sich interessiert an den Erfahrungen aus Deutschland

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2. Mai 2018

Der Tag in Boston

Die Gruppe trifft mit Vertretern von Organisationen zusammen, die sich intensiv in der Integration von Migranten engagieren. Erster Anlaufpunkt ist eine Sprachschule, geleitet von einer Muslima, die sich um den Spracherwerb und um den Zugang von Geflüchteten zu den verschiedenen Dienstleistungen der Stadt kümmert. Diese Sprachschule liegt direkt neben der größten und ältesten Moschee von Massachusetts.

Die nächste Station ist das Whittier Street Health Center. Hier laufen alle Fäden der medizinischen Versorgung, nicht nur für Geflüchtete, sondern auch für andere sozial Schwache Bürger zusammen. Die Gruppe hat Gelegenheit, an einer kurzen Führung durch die Einrichtung teilzunehmen.

Am Nachmittag empfängt Bostons Bürgermeister Martin J. Walsh die WCTE_Teilnehmer aus Deutschland. Ein Mann, der sichtlich stolz auf seine Politik und auf die umfangreichen Programme zur Integration von Migranten in Boston ist. Das Motto der Stadt ist in Bronze am Rathaus zu finden.

Zum Tagesabschluss findet ein Empfang von cultural vistas anlässlich des 25 Jahrestages der Gründung der Organisation statt.

 

 

Der Tag in Charlotte

Am Vormittag besucht die Gruppe die Organisation Refugee Support Services (RSS), die in einem ehemaligen Kirchengebäude untergebracht ist. Gegründet wurde die Einrichtung im Jahr 2006 von der Englischlehrerin Rachel Humphries gemeinsam mit der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Lauren Moore. Heute ist Rachel Humphries die RSS-Leiterin. 

 

Beeindruckend sind wie oft die vielen ehrenamtlichen Helfer, die beispielsweise in der food pantry arbeiten. Mit der Empfehlung einer Organisation wie einer Kirche oder eines sozialen Dienstes können Flüchtlinge hier achtmal im Jahr kostenlos Lebensmittel erhalten. Die staatliche Erstversorgung dauert in der Regel nur 90 Tage. Danach müssen andere Organisationen die Versorgungsleistungen übernehmen.

Für Kinder und Frauen gibt es eigene Projekte. Im Hort lernen Kinder und Mütter gleichzeitig die Sprache. Frauen benommen die Möglichkeit zu Gemeinschaftsaktivitäten, zumeist Handarbeiten, die verkauft werden. Die Einkünfte sind jedoch nicht das Hauptziel. Es geht vielmehr um Gemeinschaft und gegenseitigen Austausch.

 

Das Zentrum wird als Lernort für Sprache, als Kindergarten und als Treffpunkt genutzt. Hier erhalten die Besucher Hilfen in Alltagsfragen, aber auch Unterstützung bei beruflichen Angelegenheiten. Zahlreiche Zugewanderte haben sich mit kleinen Geschäften niedergelassen, so der kleine arabische Imbiss, wo die Reisegruppe aus Deutschland zum Lunch war.

Nach dem Imbiss erhielt die Gruppe eine kurze Stadtführung mit einem Historiker, der von der Wiederbelebung von Nachbarschaften durch Migranten berichtete. Die Teilnehmer besuchten einen nepalesischen, äthiopischen und syrischen Ladenbetreiber, die in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander ihre Geschäfte führen.

Ein schneller Austausch - speed dating - mit vielen Akteuren schließt sich an, darunter Polizei und Feuerwehr. In Charlotte nutzen Feuerwehr und Polizei das Zentrum als Ankerpunkt, um Kontakt zur Einwanderern zu bekommen und um Nachwuchspersonal zu rekrutieren.

Flüchtlinge oder illegal im Land Lebende werden oftmals Opfer von Kriminalität und trauen sich nur selten, zur Polizei zu gehen. Zu erfahren war, dass ein Polizist fünf Prozent mehr Gehalt bekommt, wenn er eine Fremdsprache spricht.

 

 

 

 

 

 

 

 

In privater Runde mit den Flüchtlingshelfern von Charlotte

 

 

Der Tag in Montgomery County

Bei hochsommerlichen 30 Grad besuchten die Teilnehmer in Montgomery County  das Montgomery County Community College. Welche Möglichkeiten hat eine Hochschule, Immigranten fit für den Arbeitsmarkt zu machen? Die Hochschullehrer stellten ein Programm vor, das eine erfolgreiche Bilanz vorweisen kann: 75 Prozent der Absolventen finden nach der Ausbildung einen Arbeitsplatz.

In einem Schulungsraum kamen die Teilnehmer für kurze Zeit ins Gespräch mit Frauen und Männern aus zahlreichen Herkunftsländern, die eine Ausbildung zum Thema PC-Sicherheit erhielten. In einem betont lockeren Unterrichtsstil legte einer der beiden Dozenten sein Hauptaugenmerk darauf, dass die Kommunikation die englischen Sprachkenntnisse erweiterte, während die andere Lehrkraft für die Wissensvermittlung zuständig war. Ein sehr zeitsparendes Unternehmen.

Der zweite Besuch galt der Montgomery County Development Corporation. Alle drei Führungspersonen haben einen Migrationshintergrund. Die Organisation hat sich die Unterstützung von Menschen zum Ziel gemacht hat, die ein eigenes Kleinunternehmen gründen möchten. 51 Prozent aller so geschaffenen Unternehmen hier werden von zumeist einer Person geführt.

 

Wie erfolgreich die Hilfe für Existenzgründer sein kann, konnten die Teilnehmer bei einem äußerst schmackhaften Büffet erfahren, das ein Kleinunternehmer aus Venezuela aufgebaut hat, der hier ausgebildet wurde. Es gibt in Montgomery County ein Fernsehprogram - "Moco 365" -, das täglich ein solches Unternehmen porträtiert.

Berührend war die Begegnung mit zwei Frauen, die über ihre Arbeit in der Stadt Silver Spring berichteten, einer Kommune im Einzugsgebiet von Washington DC. Die Menschen hier stammen aus zahlreichen Herkunftsländern, und die beiden Frauen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Einwohner miteinander in Kontakt zu bringen, Vertrauen zu schaffen, ein Netzwerk der Hilfe und Unterstützung vor allem auch für Neuankömmlinge aufzubauen.

Aus ihren Berichten wurde deutlich, wie sehr die amerikanische Gesellschaft noch immer von individuellem, institutionellem und strukturellem Rassismus geprägt ist. Die Afroamerikanerin Carolyn stellte fest, in den USA habe es nach dem Verbot der Sklaverei nie einen Versöhnungs- und Heilungsprozess gegeben, wie es beispielsweise die Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika nach dem Ende der Apartheid angestrebt habe. Carolyn: „Wie habt ihr das in Deutschland nach dem Holocaust gemacht? Was können wir vielleicht von euch lernen?“

Unter den Einwanderern in den USA gibt es eine große Gruppe aus Mittel- und Lateinamerika, hier Latinos genannt. 90.000 Mitglieder sind in der Selbsthilfeorganisation CASA organisiert, die es an vielen Orten in den USA gibt, so auch in Montgomery County.

Ihr Leiter berichtete, dass die Organisation vor allem in sozialen Fragen tätig werde. Aber auch bei der Führerscheinprüfung kann geholfen werden, ebenso bei der Vorbereitung auf das komplizierte Interview mit über hundert schwierigen Fragen zur Einbürgerung. Rund 600 Ehrenamtliche sind hier bei CASA engagiert.

 

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3. Mai 2018

Der Tag in Boston

Am Morgen besuchte die Gruppe East Boston, eine Wohngegend mit hohem Migrantenanteil. Will Morales ist seit zwei Jahren Vorstand des Boston Zentrum für Jugend und Familie (BYCF), einer von der Stadt getragenen Migrantenselbsthilfegruppe. Er machte kein Geheimnis daraus, dass er eine bewegte Vergangenheit hat. Sein Bruder war bei einer Schießerei mit der Bostoner Polizei getötet worden, und er selbst verbrachte sieben Jahre im örtlichen Gefängnis. Er berichtete, dass er dank Rat und Hilfe durch BYCF sein Leben habe ändern können.

William Morales

Der Bürgermeister von Boston, übrigens ein bekennender trockener Alkoholiker, befürwortete die Idee, dass Betroffene mit ihren Erfahrungen gute Berater seien, und unterstützte daher die Einsetzung von Will Morales als Vorstand beim BYCF.

Heidi Schork

Nach einem intensivem Austausch zu Problemen der Gentrifizierung, die derzeit auch in East Boston angekommen ist (es gibt hier eine Initiative, die Migranten beim Erwerb von Wohnhäusern unterstützt),  lernt die Gruppe einen neuen Ansatz zur Integration kennen: Die Künstlerin Heidi Schork, Nachfahrin deutscher Einwanderer, führte durch East Boston zu einigen Wandbildern von Migranten zum Thema Migration.

 

Heidi Schork hatte sich vor Jahren während ihres Kunststudiums in Mexiko von Wandmalereien inspirieren lassen und seither zahlreiche ähnliche Projekte auch in anderen Städten durchgeführt.

Besonders beeindruckend war ein Projekt mit Wandmalereien, die die Rolle von Großmüttern und deren Geschichte in den Vordergrund stellt. Durch die Darstellung der Großmütter in ihrem Alltag, entworfen nach Fotos, die Einwandererfamilien zur Verfügung gestellt haben, sollen Identifikationsmöglichkeiten für Einheimische und Zugewanderte geschaffen werden. Das Kunstprojekt ist Teil der so genannten "To Immigrants with Love"-Kampagne, mit der die Stadt Bosten ihre Zuwanderer würdigt.

Unter schwierigsten Bedingungen arbeitet die Lehrerschaft der Boston International Highschool, die am Nachmittag auf dem Programm stand. Auch hier ist das Engagement der Menschen um Direktor Tony King bewundernswert. Die Arbeit der Pädagogen gilt Jugendlichen aus vielen Nationen und verschiedenster Bildungsbiographien. Auffallend war, dass alle Schüler vonseiten der Schule mit Laptops ausgestattet werden.

 

Erschreckend war dagegen die Tatsache, dass einige Jugendliche vor oder nach dem Unterricht für Ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen.

Beim Abschiedsessen erfuhr die Gruppe bei kapverdischer Küche und portugiesischem Wein die positiven Seiten kultureller Offenheit, die von Migranten in eine Gesellschaft getragen wird.

 

Der Tag in Charlotte

Am Morgen traf die Gruppe zu einem interreligiösen Erfahrungsaustausch mit Vertretern der Methodistenkirche von Charlotte, der katholischen Gemeinde der Diözese Charlotte, des Muslim Community Center Charlotte und der Chin Christian Gemeinde zusammen, die etwa 90 burmesische Mitglieder hat.

Man erörterte Erfolge und Herausforderungen sowie interkulturelle und interreligiöse Aktivitäten. Auch hier ist die Vernetzung wichtig. Ähnlich wie bei uns sind die Beziehungen noch sehr jung und ausbaufähig.

Am Vormittag besuchte die Gruppe das Camino Community Center für die lateinamerikanische Gemeinde. Hier gibt es kostenlose medizinische Betreuung, die in Zusammenarbeit mit einer Universität den Bedarf für kulturspezifische Gesundheitsangebote im psychiatrischen Bereich bedient und ausbaut. Daneben gibt es einen Secondhand-Laden und ein Sportangebot für die Gemeinde.

 

Was hier mit persönlichem und ehrenamtlichen Engagement aufgebaut wurde, hat die Gruppe tief beeindruckt. Der Initiator Rusty Price ist Pastor. Er sagt: "We are not faith based but faith filled."

Besonders auffällig war, wie schnell Geflüchtete selbständig werden können und sollen. Das bedeutet Arbeitsplatz und Mobilität. Vertreter einer Kirchengemeinde berichteten, dass sie "ihrer" syrischen Familie ein Darlehen für ein Auto gab, weil die Familie mit dem zweiten Kind ein zweites Auto brauchte. Natürlich hatten sie im amerikanischen System auch schnell und unkompliziert einen Führerschein erworben.

 

Der Tag in Montgomery County

Mit einer beeindruckenden Führung über den so genannten "Underground railroad trail" begann der Tag, diesmal in der Natur. Der Begriff "underground railroad" steht in den USA symbolisch für den 200-jährigen Kampf der Sklaven um ihre Befreiung. Der von der Parkverwaltung des Landkreises unterhaltene Pfad lässt nicht nur das Leid der Sklaven erahnen, sondern vermittelt auch dialogisch ökonomische und philosophische Aspekte im Kontext der damaligen Zeit.

In Maryland war Sklavenhandel noch erlaubt, als im angrenzenden Virginia längst ein Verbot herrschte. Die gefährliche Flucht von 60 Meilen in die Freiheit war nur durch Unterstützung einer geheim operierenden Gruppe von Quäkern möglich.
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Der Exkursion schloss sich ein Treffen mit Vertretern des Interfaith Network of Montgomery County (INMC) an. Der starke Rückhalt der migrantischen Gemeinden und der glaubensübergreifende Konsens, gemeinsam ein starkes Unterstützungsnetzwerk zu schaffen, zeigte sich deutlich im Gespräch. Nicht nur christliche Pfarrer und muslimische Imane, sondern auch Verwaltungsangestellte, Schulvertreter und Polizei arbeiten in einem Klima des Vertrauens und des Willens, auf lokaler Ebene das Leben der Community gut zu gestalten. Die Organisation "Interfaith Works" war 1972 von Angehörigen zahlreicher Religionsgemeinschaften gegründet worden, um Armut zu bekämpfen und Menschen in ihrem
Alltag zu stärken.

Das abschließende Gespräch mit Bruce Adams, Direktor des Büros für kommunale Partnerschaft, hat den Teilnehmern vor Augen geführt, wie wenig entwickelt noch die Kooperation von zivilem Engagement und kommunalen Behörden in Deutschland ist, aber auch, wie viel Potential eine solche Partnerschaft bieten kann. Das Büro für kommunale Partnerschaft ist eine Abteilung des Landratsamts und war geschaffen worden, um die Beziehungen zwischen der Verwaltung und der Bürgerschaft allgemein zu stärken, aber auch, um die Aktivitäten einer Vielzahl von zivilgesellschaftlichen Organisationen zu bündeln.

 

Das Büro legt Wert darauf, über religiöse, ethnische und Einkommensgrenzen hinweg zu handeln mit der Selbstverpflichtung, Montgomery County zu "America’s most welcoming community" zu machen - die Nummer eins unter den Willkommensgemeinden des Landes.

Eine der zivilgesellschaftlichen Organisationen, die eng mit der Partnerschaft zusammenarbeiten, ist das "Charles W. Gilchrist Immigrant Resource Center" ("Welcome, Connect, Together We Thrive.") Das Zentrum, das von der japanischstämmigen Kaori Hirakawa geleitet wird, leistet Erstversorgung für Zuwanderer, die nur geringe finanzielle Mittel haben, bietet Sprachkurse, berufliche Ausbildung und bereitet Zuwanderer auf die Einbürgerung vor.

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