Trebbin: Erinnerungsort für Orazio Giamblanco

Orazio Giamblancos Heimatstadt Agira auf Sizilien

Ein Vierteljahrhundert nach einem fremdenfeindlichen Anschlag will die Stadt Trebbin einen Erinnerungsort schaffen und am 30. September 2021 den Haltinger Platz, an dem die Tat geschah, in „Orazio-Giamblanco-Platz“  umbenennen.

Am 30. September 1996 endete für Orazio Giamblanco das Leben, wie er es bis dahin geführt hat. Der damals 55-jährige Italiener war als Bauarbeiter nach Trebbin gekommen, als er vor der Alten Feuerwache der Teltow-Fläming-Gemeinde von Neonazis angegriffen wurde.

Mehrere Skinheads hatten ihm und seinen Kollegen aufgelauert. Giamblanco traf es am schlimmsten. Einer der Täter schlug ihm mit einem Baseballschläger derart hart auf den Kopf,  dass er – knapp gerettet durch mehrere Notoperationen – seither an spastischen Lähmungen und  Sprachstörungen leidet. Er kann sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen.

Am Tatort soll zudem ein Mahnmal errichtet werden. Die Inschrift lautet: „Am 30. September 1996 wurden an diesem Platz drei italienische Bauarbeiter Opfer rechter Gewalt. Einer von ihnen ist Orazio Giamblanco. Der damals 22-jährige Trebbiner Täter verletzte den damals 55-Jährigen lebensgefährlich mit einem Baseballschläger am Kopf. Diese Stele erinnert an das dunkle Kapitel in Trebbins Geschichte und mahnt, geschlossen gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus vorzugehen.“

Der Beschluss, eine Gedenkstätte zur Erinnerung an das Geschehen zu schaffen, fiel Anfang Dezember 2020 nach monatelangen Debatten einstimmig im Trebbiner Stadtparlament. Möglicherweise wird Orazio Giamblanco, der seit dem Anschlag in Bielefeld lebt, zur Einweihung der Stele kommen – wenn es sein Gesundheitszustand zulässt.  „Die Leute sollen sehen, was mir passiert ist, das kann auch anderen passieren“, sagte er kürzlich dem Tagesspiegel-Reporter Frank Jansen.

Jansen berichtet seit 1997 jedes Jahr darüber, wie Giamblancos sein Leben meistert. Die Langzeitrecherche ist als Studie über ein Opfer rechter Gewalt angelegt, heißt es dazu in der Zeitung.

Die gesammelten Reportagen von Frank Jansen
Das Urteil zum Anschlag auf Orazio Giamblanco

 Foto: Rainer Jehl

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