Was in diesen Tagen auch einmal gesagt sein muss!

Quelle: ver.di

Die Quarantänen und Ausgangssperren in vielen Ländern werden auf uns alle einen besonderen psychologischen Effekt haben: Menschen werden feststellen, dass Arbeit auch Gemeinschaft bedeutet. Die Zwangsentschleunigung durch ein Virus lässt hinterfragen, welchen Wert die Gesellschaft welchen Berufen beimisst – sowohl monetär als auch sozial. 

Bundespräsident  Walter Steinmeier zählte in seiner Rede an die Nation am 16. März  Berufe auf, für die inzwischen das Wort „systemrelevant“ geprägt wurde: „Krankenschwestern und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte, Einsatzkräfte und Krisenstäbe und ebenso die Kassiererin und der Lkw-Fahrer, die unsere Versorgung aufrechterhalten. Dank und Hochachtung Ihnen allen.“ Steinmeier hätte hier noch ein paar Berufsgruppen hinzuzählen können.

Die Rolle, die der Staat einnimmt, damit Eltern arbeiten gehen und somit wirtschaftliche Abläufe aufrechterhalten werden können, wird in diesen Tagen deutlich. Im Zuge der Kita- und Schulschließungen stehen Millionen Menschen vor der Herausforderung, die Kinderbetreuung zu organisieren. So manch ein konservativer Geist könnte diese Herausforderungen als Argument nutzen, dass Frauen sich um die Kindererziehung kümmern sollten.

Dass dies in der Praxis für die Gesellschaft fatal wäre, wird klar, wenn man sich die Beschäftigungsstatistiken allein im Pflegebereich anschaut. Weit über 80 Prozent des Pflegepersonals – sowohl in Krankenhäusern als auch in Altenheimen – sind Frauen, auch Hebammen sind primär weiblich. Ohne bestimmte Berufsgruppen läuft wenig im Land – auch in normalen Zeiten.

Warum die Corona-Krise ein feministisches Thema ist

Das Coronavirus verdeutlicht sehr stark, wie wichtig die Berufstätigkeit von Frauen ist und wie schwer es gleichzeitig ist, private Sorgearbeit gut zu organisieren. Vor allem, wenn die Großeltern keine Option für die Betreuung sind oder wenn ein Elternteil alleinerziehend ist. Die gegenwärtige Pandemie ist eine Ausnahmesituation,  auch in Zusammenhang mit Kinderbetreuung. Wenn die Krise überstanden ist, werden Kinder gewohnt in die Kita und Schule gehen können. Doch die Frage, wie Betreuungsmöglichkeiten verbessert werden können, wird bleiben.

Ohne Fürsorge- und Pflegearbeit und damit ohne die unterbezahlte und häufig auch unbezahlte Arbeit von Frauen wird die Corona-Krise nicht zu bewältigen sein. Die Auswirkungen des Corona-Virus machen diese unsichtbare Arbeit sichtbar und verdeutlichen einmal mehr den gesellschaftlichen Wert von Care-Arbeit. 

Wenn Vater und Mutter Home-Office machen müssen, wer ist nebenbei für die Kinderbetreuung zuständig? Wer kauft für Oma ein, weil sie nun besser zu Hause bleibt? Ist es ihre Tochter oder ihr Sohn? Wer kümmert sich um die Kranken zu Hause in Quarantäne?

Fürsorge ist unsichtbare Frauenarbeit  - immer noch

Eine Krise wie die, die durch die Corona-Pandemie entstanden ist, verschärft die Situation daher vor allem für Frauen. Aktuell erledigen Frauen in deutschen und österreichischen Haushalten 75 bis 80 Prozent der Haushalts-, Fürsorge- und Pflegearbeiten. Schon ohne eine gesamtgesellschaftliche Gesundheitskrise lastet auf ihnen unsichtbare und unbezahlte Arbeit. Und auch die durch den Corona-Virus und die Quarantäne anfallenden Fürsorgearbeiten werden deshalb vor allem auf Frauen zurückfallen.

Am 17. März 2020 war Equal Pay Day. Das Datum markiert wie jedes Jahr die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern. Wenn sich jetzt Politiker*innen bei Pflegepersonal oder Kassierer*innen bedanken, muss der nächste Schritt sein, diese Berufsgruppen, in denen vor allem Frauen tätig sind, endlich angemessen zu bezahlen. 

Denn: Ohne die Arbeit der Frauen würde die Gesellschaft stillstehen.

(zusammengestellt von Christiane Witt, Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte des Landkreises Teltow-Fläming)

Zurück