Wünsdorf: Weiter Reden

Quelle: Social Science Works

Unter dem Titel "Weiter Reden" bietet das Potsdamer Forschungsinstitut Social Science Works Gesprächskreise für geflüchtete Menschen an. Zum zweiten Mal hat in diesem Jahr in Wünsdorf eine Gesprächsreihe von zehn Sitzungen stattgefunden. Institutsleiter Hans Blokland berichtet über die Erfahrungen:

Wie schon in 2019 hatten wir eine lange Reihe von Deliberationen mit Flüchtlingen im Wünsdorfer Flüchtlingsheim. Unterstützt wurde das Projekt vom Deutschen Roten Kreuz und dem Bundesprogramm “Demokratie Leben! (Landkreis Teltow-Fläming). Wir sprachen über viele verschiedene Grundsatzfragen, die von Pluralismus, Demokratie und Emanzipation über Diskriminierung, Gleichstellung der Geschlechter, Ehre und deutsche Kultur reichten. Beeindruckend war das oft hohe Maß an Verständnis und Einsicht.

Die Teilnehmer kamen aus einer Vielzahl von Ländern, darunter Syrien, Iran, Afghanistan, Pakistan, Kamerun, China, Nigeria und Georgien. Die Leute von Social Science Works kamen diesmal aus Frankreich, den USA und den Niederlanden. Wir sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Niederländisch hat aus irgendeinem Grund nicht funktioniert.

Die Feedback-Umfrage zeigte einmal mehr eine hohe Wertschätzung für die Möglichkeit, gemeinsam über Grundsatzfragen zu diskutieren.

Die durchschnittliche Antwort auf die Frage “Ich würde gerne wieder an einem solchen Programm teilnehmen” (1 = stimme überhaupt nicht zu; 5 = stimme voll zu) lag bei 4,57 (n = 14).

Die Frage “Die wichtigsten Punkte zu jedem Thema wurden in den Gruppendiskussionen behandelt” wurde im Durchschnitt mit 4,38 beantwortet.

Die Frage “Ich fand viele der Kommentare der anderer Leute für meine eigene Sichtweise zu diesen Themen hilfreich” (1 = stimme überhaupt nicht zu; 5 = stimme voll zu) wurde im Durchschnitt mit 4,14 (n = 14) beantwortet.

Die durchschnittliche Antwort auf die Frage “Ich glaube, dass ich bei einigen Themen ein besseres Verständnis entwickelt habe” lag bei 4,36.

Und die Frage “Ich glaube, dass ich ein besseres Verständnis dafür entwickelt habe, wie bestimmte Themen zusammenhängen” hatte eine durchschnittliche Antwort von 4,21.

Die Tatsache, dass wir diesmal keine deutschen Moderatoren hatten, hielt uns nicht davon ab, über “deutsche Kultur” zu diskutieren. Fast alle Flüchtlinge hielten die deutsche Kultur in sehr hohem Ansehen. Die Tatsache, dass sie erst vor kurzem in Deutschland angekommen waren, mag zu dieser Wertschätzung beigetragen haben: Neuankömmlinge sind in der Regel voller Hoffnungen und Ambitionen.

Durch lange Wartezeiten, erzwungenen Stillstand und Unklarheit über die Aussichten löst sich diese Energie und dieser Optimismus regelmäßig langsam auf. Dabei verändern sich auch die Ansichten über die neue Heimat. (Hans Blokland)

Institut Social Science Works
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